Welcome To Our Shell

Mister Spy & Souheyl Bypass Shell

Current Path : /var/www/web-klick.de/dsh/

Linux ift1.ift-informatik.de 5.4.0-216-generic #236-Ubuntu SMP Fri Apr 11 19:53:21 UTC 2025 x86_64
Upload File :
Current File : /var/www/web-klick.de/dsh/hh.txt

Dr. Christian Gabriel
Kantor an der Dreieinigkeitskirche Nürnberg-Gostenhof
Nürnberger Str. 134
90762 Fürth
0911/148781-11
0172/4121651
christian.gabriel@shortnote.de




An das
Bayerische Landesamt für Denkmalpflege

z.H. Referentin Frau Dr. Müller




Sehr geehrte Frau Dr. Müller,

ich wende mich an Sie mit einer Anfrage zur Dreieinigkeitskirche Nürnberg und möchte weitere Informationen zu einer geplanten Umbaumassnahme geben.

Als hauptamtlicher Kantor and der Dreieinigkeitskirche bin ich seit 1999 tätig und in dieser Zeit sehr viele Konzerte veranstaltet, unter anderem viele Oratorienkonzerte,
Orgelkonzertreihen, Kunstaktionen mit bekannten Künstlern, Mitorganisation der Gostenhofer Jazztage und des Stimmenfang Festivals, Gründung der Reihe
'Jazz in Dreieinigkeit' und des 'Jazz Organ Experience' Festivals, Eigenkompositionen (Jazzmesse) und Uraufführungen Neuer Musik.

Im Rahmen dieser künstlerischen Tätigkeit habe ich u.a. eine Konzertreihe mit allen 6 Orgelsymphonien Louis Viernes, aller 10 Orgelsymphonien
Charles-Marie Widors, viele Jazz-Konzerte an der Orgel und mit teils sehr prominenten Gästen durchgeführt. Dazu kamen oratorische Konzerte mit dem Jazzchor Gostenhof, dem
Konzertchor Nürnberg/Fürth als Dirigent, unterstützt vom KlangKonzepteEnsemble Nürnberg. Insgesamt habe ich i n der Zeit von 1999 bis 2016 fast 100
Konzerte durchgeführt, die oft sehr gut besucht waren, bei den populären Werken wie dem Requiem von Mozart oder Bachs Johannespassion wurden regelmäßig
Besucherzahlen von 400 und mehr erreicht.

Musiker und Publikum fühlten sich stets sehr wohl in der idealen Akustik der Kirche, die genau im richtigen Maße hallig und klangverstärkend wirkt.
Eine sparsame, aber wirkungsvolle Beleuchtung unterstrich die Lienen des neogotischen Kirchenraums und schaffte oft eindrückliche Erlebnisse.

In der Corona-Zeit habe ich die konzertierende Tätigkeit rein auf die Orgel gelegt, die als Instrument mit dem Raum sehr gut harmoniert.


Geplante Baumassnahme Dreieinigkeitskirche
------------------------------------------

In meiner Funktion als Kantor habe ich stets versucht und angeboten, in den entsprechenden Beratungen mit einbezogen zu werden, was
aber nie geschah. Nun höre und sehe ich, dass die Planungen schon konkret werden. Ich denke aber, dass Umstände vorliegen, die die
vorliegende Planung sehr schwierig, wenn nicht undurchführbar machen.

1. Die Orgel der Dreieinigkeitskirche
-------------------------------------

Bei dem in der Dreieinigkeitskirche befindlichen Instrument handelt es sich um eine Steinmeyer-Universalorgel aus dem Jahre 1953,
angepasst an die Akustik des Kirchenraumes, insbesondere seiner Resonanzvolumina oberhalb und unterhalb der Seitenempore sowie des Altarraums.
Die Orgel mit ihren urpsrünglich 43, jetzt 45 Registern ist von mir und dem Kirchenvorstand in den Jahren 2004-06 umfassend restauriert worden,
mit dem Ergebnis einer vollständigen Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes, was die Register, die Spieltraktur und die Intonation angeht.
Ein zusätzlich angebauter MIDI-Anschluss macht die Orgel insbesondere im Jazz-Kontext noch interessanter. Alle Arten von Orgelmusik,
von Bach über Reger und französische Symphonik bis zu moderner Musik und Jazz sind also herrvoragend darstellbar.

Nicht nur der Kirchenraum, sondern auch die Orgel ist daher unter denkmalschützerischen Aspekten zu sehen. Das klangliche Ergebnis wird
regelmäßig gelobt; Instrument und Raum passen perfekt zueinander.

Würde man die Seitenempore entfernen, die Resonanzraüme verschießen und eine Versiegelung der Wände und Decken mit einem Anstrich vornehmen,
dann wäre die Akustik in nicht-vorhersagbarer Weise gefährdet. Jedenfalls kann man soviel sagen, dass das Klangvolumen des Raums durch
Verkleinerung abnähme, die Orgel in den Bässen weniger Volumen zeigt, dadurch in den Höhen auch leiser intoniert werden muss. Der
Charkter einer symphonischen Orgel ginge damit verloren.

Ein weiterer kritischer Punkt ist der Einbau einer Fußbodenheizung, die nach Auskunft des beauftragten Architekturbüros zu einer Luftfechute
von etwa 35 % führen würde. Dies ist zu wenig für eine Orgel mit einer elektropneumatischen Spieltraktur und einem sogenannten Taschenladensystem,
bei dem die Verschlüsse der Pfeifen mit beweglichen Lederlappen bewerkstelligt werden. Diese (mehreren tausend) Taschenladen würden nach Auskunft
des Orgelbauers Dominik Friedrich, der die Restaurierung durchgeführt hat, innerhalb einiger Jahre zum einem großen Teil reißen, womit die
Orgel nach und nach funktionsuntüchtig wäre.

Der Preis des Umbaus wäre also auch die Gefahr der Disfunktionalität der Orgel, aus klanglichen, und aus konstruktionsbedingten Gründen.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Gemeinde vor 15 Jahren viel investiert hat in die restauratorische Massnahme der Orgelrenovierung,
ist das ein hoher Preis.


2. Die Dreieinigkeitskirche als Kulturraum
------------------------------------------


Ich habe mit der Dreieinigkeitskirche als Raum für Konzerte und Kulturveranstaltungen in den mehr als 20 Jahren meiner Tätigkeit als künstlerisch
Verantwortlicher stets sehr gute Erfahrungen gemacht. Die eingebauten Bankreihen als Sitzplätze wurden so gut wie kritisiert, das Publikum
hat sich in dem sakralen Raum immer sichtlich wohl gefühlt. Alle Bedürfnisse von Künstlern und Publikum konnten allermeist erfüllt werden,
bei großen Veranstaltungen, bei denen die beiden eingebauten Toiletten nicht ausgereicht haben, wurden die Toiletten des Nachbarschaftshauses mitgenutzt.

Auch bei 400 und mehr Besuchern war die Durchführung der Konzerte gut gewährleistet, dabei wurde die Seitenempore auch mitbenutzt, sowie die
Sitzplätze unter der Seitenempore.

Die Notwendigkeit für einen weiteren mittelgroßen Mehrzweckraum in Gostenhof besteht meiner Ansicht nicht, hier haben das Nachbarschafthaus Gostenhof, das
Jugendzentrum GOST, sowie auch der Saal des Gemeindehauses der Kirchengemeinde, alle in unmittelbarer Nähe, genügend Angebote.
Im Gegenteil, ein sakraler Raum mit einer spirituellen Ausstrahlung würde an dieser prominenten Stelle fehlen. Die Wirkung dieses besonderen Raums
sollte geschützt werden, und es sollten Konzepte geschaffen werden, diesen Raum als solchen für Interessierte mehr zugänglich zu machen.


3.  Licht und Sichtachsen
-------------------------

Die Dreieinigkeitskirche hat vom Haupteingang her eine lange Sichtachse durch die geöffnete Tür direkt auf den Altarraum und Altar.
Dies ist die architektonische Idee, sie schafft gleich beim Betreten der Kirche ein Raumgefühl von einer gewissen Größe. Diese Wirkung würde
durch die Schließung des Haupteingangs und dem Einbau eines Küchenblocks an dieser Stelle verloren gehen.

Das Licht fällt von Süden durch die Fenster quer durch die Kirche, von Norden kommt auch Licht durch die hohen Seitenfenster. Dies gibt
dem Raum auch eine Dimension von Breite, dies ist offenbar so konzipiert. Dieser Effekt würde duch den Abriss der Seitenempore und halben Zubau
der nördlichen Fensterfront unterbunden.


4.  Konzept Kulturkirche
------------------------

Die Dreieinigkeitskirche ist zweifelsohne eine Kulturkirche, und ich habe immer diesen Anspruch unterstrichen und zusammen mit den
vielen Gästen in den letzten 20 Jahren dieses Bild mit geschaffen und hochgehalten. Viele Künstler interessieren sich für diesen Raum,
zur Zeit wird es etwas dem Zufall überlassen, wer dort auftritt. Zu einem Kulturkonzept gehört aber auch eine dramaturgische und
programmgestalterische Arbeit, die von mir stets geleistet wurde.

Ich kann bisher nicht erkennen, welches Kulturkonzept von der Gemeinde nach einem eventuellen Umbau betrieben werden soll. Wenn einfach nur
ein weiterer Mehrzweckraum da ist, für den man dann nach Mietern für kulturelle Veranstaltungen sucht, dann steht man in starker Konkurrenz
zu anderen Anbietern wie Südpunkt, K4, und den Räumen in Gostenhof.


5.  Fazit
---------


Eine Umbaumassnahme von der geplanten Art, die die Kirche vom Innenraum her von einem sakralen Raum zu einem Mehrzweckraum umgestaltet,
ist ein massiver Eingriff; der Abriss der Seitenempore irreversibel, der Schaden für die Klanglichkeit des Raums samt des besonderen
Intrumentes, der Orgel, nicht abschätzbar.

Eine Kulturkirche, die zunächst dasjenige an Kultur in Gefahr bringt, was schon da ist,
ist erklärungsbedürftig. Zumindest würde man ein sehr starkes, in sich schlüssiges Konzept erwarten, das gegen die schützenswerten
Assets, die diese Kirche jetzt bietet, aufzuwiegen wäre.

Dieses starke Konzept ist nicht zu sehen; der geplante Mehrzweckraum mit Vermietung ist nicht dieses Konzept.

Der Schaden wäre, wenn, man die Umbaumassnahmen durchführt, sicher groß, und auch unumkehrbar - die Seuitenempore wäre dann sofort
weg, und die Orgel in einigen Jahren unspielbar, die Akustik wahrscheinlich auf die einer kleinen Grundschulaula reduziert.

Es steht zu befürchten, dass erst nach der Fertigstellung der Umbaumassnahme einer breiteren Öffentlichkeit dieser Verlust
bewußt wird.

Die Abwägung dieser Schäden gegen die erhofften Chancen kann nur ergeben, von der Umbaumassnahme abzusehen, kleinere technische
Verbesserungen in Absprache mit dem Denkmalschutz vorzunehmen (Strom, Heizung, barrierefreie Zugänge) und das erfolgreiche
künstlerische Konzept für Stadtteil und Stadt weiter fortzusetzen, in einem lebendigen, offenen Denkmal, auf das Gostenhof stolz
ist und das eine integrative Wirkung entfaltet.




  

bypass 1.0, Devloped By El Moujahidin (the source has been moved and devloped)
Email: contact@elmoujehidin.net bypass 1.0, Devloped By El Moujahidin (the source has been moved and devloped) Email: contact@elmoujehidin.net